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Deutsch-Kolumbianischer Freundeskreis e.V.

Blockchain für Campesinos

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Zum Originaldokument des Autors Wolfgang Goede, Medellín



Sven Seydler ist Informatiker. Mit IT will er Kolumbiens Agrarsektor modernisieren und soziale Gleichheit voranbringen. Mit neuartigen Gesundheitsprodukten und Blockchain. Das soll den Campesinos des Landes die Tür zur Chancengleichheit öffnen. Seydler, Jahrgang 1976, hat an der Universität Dortmund Elektrotechnik studiert und arbeitete zehn Jahre lang bei INTEL als Chip-Designer. Bereits während des Studiums hatte er eine Kolumbianerin kennengelernt. Sie heirateten und bekamen zwei Kinder. Das öffnete seinen Blick für Kolumbien. Neben seiner IT-Tätigkeit sammelte Seydler als Importeur kolumbianischer Waren wertvolle Geschäftserfahrungen. Seine Frau und er führten Designermöbel aus Kolumbien ein. Die kamen allerdings oft leicht beschädigt in Deutschland an. Der kolumbianische Zoll bohrte sie – legal – auf der Suche nach Drogen an. Auch der Kaffeeimport gestaltete sich wegen ständig stark schwankender Wechselkurse schwierig. Im Jahr 2013 wechselte die Familie nach Kolumbien und stieg ins Recycling von Altöl ein. Das waren wichtige Erfahrungen, die Seydler das Land, seine Kultur und Geschäftswelt rasch begreifen – und seine wahre Leidenschaft erkennen ließ: Naturgesundheit für das innere Wohl—persönliche Entwicklung—mit Sozialeffekten. Dafür veredelt er landwirtschaftliche Produkte. Der Vertrieb erfolgt über eine neuartige Finanzierungs-Plattform – auch als Entwicklungsimpuls für das ländliche Kolumbien. Darüber erzählt Sven Seydler (SS) im Interview mit DKF-Mitglied Wolfgang Chr. Goede (WG).

WG: Lieber Sven, ich habe oben ein wenig zu vereinfachen versucht. In voller Länge nennst du dein Projekt “Offer Health from Nature to Humanity based on inner growth (personal development) and social contribution (giving back)". Klingt für manche Ohren vielleicht ein wenig abstrakt. Erzähl uns doch bitte, was dahintersteckt und welche Rolle deine Wahlheimat Kolumbien dafür spielt.

SS: Das eigentliche Gold Kolumbiens sind seine Bauern und Kleinbauern. Sie bauen hunderte für uns Deutsche unbekannte Früchte und Gemüsesorten an. Dieser Naturreichtum brachte mich auf die Idee, die Naturerzeugnisse mit Hilfe von Technologie zu veredeln. Und sie dann als hochwertige Produkte auf dem internationalen Markt für Gesundheit und Kosmetik zu verkaufen. Bei diesen Überlegungen half mir auch mein Finanzwissen.

WG: Worin besteht das?

SS: Meine Sichtweise auf das internationale Finanzsystem wurde geprägt durch das Buch "Rich Dad, Poor Dad" von Robert Kyiosaki. Das war der Anstoß für mich, sehr viel über das globale Finanzsystem zu lernen. Dies hat mich gelehrt, wie man Projekte plant, dass Sie für Investoren und Banken verständlich und attraktiv sind – Grundlage für jeden Entrepreneur.

WG: Finanziell so geerdet, wie ging dein Gesundheitsprojekt weiter?

SS: Nach reiflichen Überlegungen habe ich die Frucht "Sacha Inchi" auserwählt, um aus dieser das kalt-gepresste Sacha Inchi Öl und Mehl zu gewinnen. Die notwendige Hydraulikpresse mit 50 Tonnen Presskraft habe ich unter Anleitung meines Vaters, eines gelernten Schlossers, selbst gebaut. Das Sacha Inchi Öl ist sehr gesund und reich an pflanzlichen Omega 3 Fettsäuren von ca. 48 Prozent. Durch seinen hohen Anteil an natürlichem Vitamin E wird das Öl selbst über einen Zeitraum von drei Jahren nicht ranzig. Das Zweitprodukt daraus ist Mehl. Mit seinem niedrigen Anteil an Kohlehydraten, also Zucker, und seinem hohen Anteil an Proteinen eignet sich das Sacha Inchi Mehl sehr gut als Nahrungsgrundlage für Kinder und Erwachsene.

WG: Wie kommt hier die Finanzierung rein?

SS: Mit dieser Technologie stand die Hardware, aber mir fehlte das notwendige Kapital, um das Geschäft professionell mit Lizenzen aufzubauen. Als ich dann im Juli 2017 die Bitcoin Technologie kennenlernte, habe ich mich sechs Monate lang in die technischen Hintergründe eingearbeitet und meine ersten Computer-Programme geschrieben, um mit den Crypto-Börsen zu kommunizieren. Seit Ende 2018 programmiere ich professionell Computerprogramme auf der Ethereum Blockchain, um die Finanzierung meiner Projekte zu ermöglichen.

WG: Das müsstest du für unsere weniger finanz-und computer-affinen Leser*innen erläutern.

SS: Dahinter steckt eine Dezentralisierte Finanzierungsplattform. Die DeFi Plattform gestattet kleineren Firmen und Start-UPs mit innovativen Ideen eine Finanzierung für ihre Projekte durch Menschen auf der ganzen Welt zu erhalten. Die Menschen, die in diese Projekte investieren, sind Investoren und Kunden der gesunden Produkte zugleich. Zum Beispiel kann ein Japaner hundertprozentigen kolumbianischen Hochlandkaffee genießen, während er ein positives emotionales Erlebnis verspürt, in das Projekt investiert zu haben und damit Bauern in Lateinamerika zu unterstützen. Die Plattform enthält auch eine Kommunikationsschnittstelle, auf der
Konsumenten den Bauern Feedback zukommen lassen.

WG: Wie weit bist du damit, funktioniert das bereits, und welche Hürden musst du für die Kommerzialisierung eventuell noch überwinden?

SS: Den technischen Teil der DeFi Plattform habe ich mir bereits gut überlegt und analysiert. Deshalb programmiere ich im Moment als erstes den Teil der DeFi Plattform, der den Einstieg aller nicht-Blockchain Versierten auf eine einfache Weise ermöglichen wird. Selbst Bauern und deren Familien sollen die Möglichkeit haben ohne finanzielle und ohne Blockchain Vorkenntnisse leicht Kolumbianische Pesos (COP) in Crypto-Ether (ETH) zu tauschen. Dazu werde ich noch kurze, sehr leicht verständliche edukative Videos ins Netz stellen, die auch erklären werden, wozu die gekauften Ether benutzt werden und wie die Bauern und deren Familien davon profitieren können. Der zweite Schritt der DeFi Plattform wird dann die Integration der Projekte sein, die als einzelne Module angeboten werden.


 

WG: Was ist der weitere Nutzen dieses Projekts?

SS: Das Projekt wird einen nachhaltigen Anbau der Agrarprodukte durch die Bauern fördern. Des Weiteren adressiert DeFi die Gesundheit. Durch den Austausch alternativer Therapien hilft sie Krankheiten zu reduzieren und zu heilen. So ist bisher wenig bekannt, dass Ozonbehandlungen günstig auf Covid-19- und Ebola-Infektionen wirken.

WG: Wenn ich das richtig verstehe, könnte DeFi sogar Menschen bei ihrem Geldmanagement helfen?

SS: Wie sich andeutet, könnte der Corona-Gesundheitskrise eine Corona-Finanzkrise folgen. Viele private Rentenfonds, auch hier in Kolumbien, sind in Gefahr. DeFi wird eine Art Sparplan für Menschen auf der ganzen Welt anbieten. Statt über Fonds, Banken, Versicherungen zu gehen, werden die Menschen jederzeit selbst Zugriff auf ihre Ersparnisse haben.

WG: Und wie geht das?

SS: Kunden, Bauern und Kleinbauern sowie deren Familien, aber auch Investoren eröffnen sich ihr eigenes Blockchain-Konto auf das NUR (sic) sie selbst mit ihrem "Privaten Blockchain Schlüssel" Zugriff haben. Die dezentrale Finanzierungsplattform verwaltet diese Schlüssel NICHT und kann diese auch nicht sehen. Sie dient als eine Art Interface, mit dem jeder auf die Blockchain Projekte zugreifen und an diesen teilnehmen kann. Ein Bauer, der z.B. vom Projekt Crypto-Gelder auf sein Blockchain Konto erhält, kann diese entweder halten und von ihrem Wertzuwachs profitieren, oder sie über die DeFi Plattform in einen Ethereum Sparplan mit Rendite anlegen, oder diese in andere Crypto Währungen umtauschen, um mit diesen dann im Supermarkt einkaufen zu gehen.


Das innovative an der Blockchain ist, dass die Menschen wieder als einzige vollen Zugriff auf ihre Gelder haben. Die Defi Plattform ermöglicht es den Kleinbauern an lukrativen und innovativen Blockchain Projekte teilzunehmen und von diesen auf die Dauer finanziell zu profitieren. Dies wird einen positiven sozialen Einfluss auf ihre gesamte Familie haben. 

WG: Das System soll sogar einen Erfindungs- und Fälschungsschutz eingebaut haben?

SS: Die Blockchain Technologie entwickelt sich kontinuierlich weiter. Seit einiger Zeit wurde ein neuer Standard mit aufgenommen, der es erlaubt ganze Objekte (z.B. Immobilien, Kunstgemälde, Oldtimer, etc.) eindeutig auf die Blockchain abzubilden und eindeutig zu identifizieren. So können z.B. Ursprungsort, Zeit, Identitäten und weitere Parameter auf der Blockchain unveränderbar abgespeichert werden.

An einem Strand im Norden Kolumbiens beobachtete ich, wie eine indigene Gruppe ihre Hand gefertigten Kleidungsstücke und Schmuck verkaufte. Dabei kam mir die Idee, dass der neue Blockchain Standard z.B. auch dazu genutzt werden kann, die angefertigten Unikate der indigenen Stämme eindeutig zu identifizieren, was einen Fälschungsschutz indigen-hergestellter Waren garantiert. So kann z.B. ein Japaner sich eineindeutig durch die Blockchain bestätigen lassen, ob es sich um ein echtes Unikat handelt, wann und wo und von wem es hergestellt wurde.


WG: Das alles klingt ambitioniert, mit wichtigen Entwicklungsanstößen, wir wünschen viel Erfolg damit. Neue mutige Erfindungen brauchen Kolumbien, Deutschland, die ganze Welt, gerade in diesen derzeit wenig durchschaubaren Corona-Zeiten.

[Im ergänzenden Nachtrag unten taucht Sven Seydler auf Wunsch des Interviewers noch einmal in Tiefe des Projekts und umreißt für Fachexperten*innen die drei Entwicklungsbereiche der Blockchain-Crypto-Agrar-Drehscheibe.]

Kontakt:

https://www.linkedin.com/in/sven-seydler-b9aaa15/ 

Bildmaterial & Videos © Sven Seydler

San Luis ist zweieinhalb Stunden von Medellín entfernt. Die Bauern dort bauen u.a. Sacha Inchi an. Die Fotos zeigen den Weg zu den Feldern und diese selbst. Der Bauer demonstriert, dass er ohne Verwendung von Pestiziden nur organisch anbaut. Die Erde ist so fruchtbar, dass er noch nicht einmal düngen muss. Gegen Plagen setzen die Bauern ein selbstzubereitetes natürliches Knoblauch-Kräuter-Gemisch ein. Für eine internationale Zertifizierung der so hergestellten Agrarprodukte fehlt das Geld. Die Gegend lockt nicht nur mit üppiger kolumbianischer Natur. An idyllischen Wasserkaskaden und Seen fühlen sich Touristen, Badegäste und Wassersportler wohl.

Die Videos zeigen den Entrepreneur bei der Ölherstellung aus Sacha Inchi.
https://www.youtube.com/watch?v=G3gF6HQLr3I
https://www.youtube.com/watch?v=mtgr7A_IFj0

++
Bereich 1: DeFi Plattform mit Fiat to Crypto (Fiat2Crypto) Converter. Der Fiat2Crypto Converter befindet sich bereits in der Umsetzungsphase sollte spätestens Juni 2020 einsetzbar sein. Es warten bereits einige Crypto Investoren auf das MVP (Minimum Viable Product). Dann sollte das erste Geld von der Nutzung generiert werden. Danach werde ich mit der Programmierung der DeFi Plattform für die einzelnen Projekte beginnen.

Bereich 2: (Projekte mit Bauern: Beispiel Sacha Inchi) Dieses Projekt hat bereits ein MVP. Ich habe Proben des Sacha Inchi Öls aus 5 verschiedenen Regionen Kolumbiens an ein Kosmetik-Labor in Berlin und an ein Labor in Medellin geschickt und diese analysieren lassen. Das Kosmetik Labor in Berlin hat die sehr gute Qualität bestätigt und benötigt zu Anfang mindestens 600 bis 1000 Liter pro Monat des Sacha Inchi Öls. Durch seinen hohen Anteil an Antioxidantien findet das Öl sehr gut in der Kosmetik-Industrie Verwendung. Mit meiner selbst-gebauten Hydraulikpresse komme ich nur auf etwa 75 bis 100 Liter pro Monat. Deshalb suche hierfür noch Investoren, um die notwendigen Lizenzen, Maschinen & Equipment, und einige notwendige Dinge zu kaufen, die das Projekt starten lassen würden. Hier sprechen wir von einem Start-Up Investment von 150k Euro.

Bereich 3: (Gesundheitsinstitut mit Alternativ-Therapien für Patienten mit schweren Erkrankungen) Dieser Bereich befindet sich erst in der Ideenphase. Ich habe Rüdiger Dahlke (https://lebenswandelschule.com/) kontaktiert und er wird uns bei der Planung des Gesundheitsinstituts helfen. Außerdem ist das ernährungswissenschaftliche Institut in Jena an einer Zusammenarbeit interessiert. Eine Alternativmedizinerin in Kolumbien, die bereits 200 Patienten monatlich sehr erfolgreich mit alternativen Therapien behandelt (Ozontherapien, intravenös verabreichtes Vitamin C, Akupunkturen, etc..), möchte das Gesundheitsinstitut mit meiner DeFi Plattform realisieren. Kostenpunkt hier ca. 1MM Euro für 150 stationäre Patienten mit schweren Erkrankungen, für die die normale Medizin keine Heilung verspricht (schweres Rheuma, Diabetes I/II, Krebs mit Metastasen).

 




Veröffentlicht am:
17:07:02 21.05.2020

Letzte Aktualisierung
18:51:46 21.05.2020


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