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Deutsch-Kolumbianischer Freundeskreis e.V.

Hilfsflug der "Patrulla Aérea" - Malaria-Alarm am Pazifik

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Zum Originaldokument der Autorin Jenny Schuckardt, z. Zt. in Cali


Corona-Update

Sa, 16.5.2020

Jenny Schuckardt

Niederlassungsleiterin München


Interview mit der Bürgermeisterin von Timbiquí

Film - Musik der Gruppe "Herencia de Timbiquí"


Timbiquí liegt im Departemento del Cauca am Fluss Timbiquí, der Hauptort befindet sich rund 10 Kilometer von der Küste des Pazifischen Ozeans. Das Klima ist tropisch feucht mit einer Durchschnittstemperatur von 28 °C. Die Gemeinde Timbiquí hat 22.077 Einwohner, von denen lediglich 4584 im dörflichen Teil der Gemeinde leben, der weitaus größere Teil verstreut auf dem Land – und genau hier entsteht das Problem.

Kolumbien ist wegen Corona nach wie vor streng abgeriegelt. Verkehrsmittel dürfen nur mit einer schwer zu erhaltenen Sondergenehmigung bewegt werden. In Nicht-Corona-Zeiten ist Timbiquí per Boot zu erreichen. Derzeit nicht. Die Bevölkerung auf dem Land muss mit dem Nötigsten aus der Luft versorgt werden. Die Luftwaffe bringt größere Mengen an Lebensmittel nach Guapí, einen etwas größeren Ort in der Nähe. Um diese Lebensmittel von dort weiter nach Timbiquí zu transportieren, wird die Hilfe der „Patrulla Aerea del Pacifico“ benötigt, da die Landebahn dort zu kurz ist für größere Maschinen. Ich begleite zusammen mit einem Fotografen der französischen Presseagentur AFP und dem deutschen Konsul in Cali, Gerd Thyben, eine Hilfsaktion der Patrulla Aerea von Cali nach Timbiquì.  

Nach einer Stunde Flugzeit landen wir in Timbiquí. Es ist extrem heiß und feucht. Auf dem Flughafen erwarten uns acht schwer bewaffnete Soldaten, medizinisches Hilfspersonal, das unsere Temperatur checkt und die Bürgermeisterin, die mit einem dramatischen Hilferuf in Kolumbien für Aufsehen gesorgt hat. https://www.wradio.com.co/noticias/regionales/preocupacion-por-brote-de-malaria-en-timbiqui-cauca/20200515/nota/4038612.aspx

Während die Cessna der Patrulla Aerea wieder abhebt, um die Lebensmittel aus Guapí abzuholen, bleibe ich in Timbiquí und treffe die Bürgermeisterin, Neyla Yadira Amú Venté, Alcaldesa del Municipio de Timbiquí, zu einem Interview am Flughafen.

„Wir haben derzeit Null Corona-Fälle“, erklärt sie mir. „Aber wir haben ein großes Malaria-Problem, es gibt bereits 1400 Malaria-Fälle in Timbiquí, wir brauchen dringend Hilfe: Malaria-Tests, Desinfektionsmittel, Medizin. Es wurde viel zu wenig geliefert, Bereits im März habe ich bei der Regierung darauf hingewiesen, es hieß, man könne nicht mehr bringen.“  

Die Menschen in den entlegenen Orten am Pazifik sterben an Malaria, nicht an Covid 19. Das Problem ist, dass die Symptome der Malaria kaum von den typischen Corona-Anzeichen zu unterscheiden sind: So gilt hohes, wiederkehrendes Fieber auch als typisch für eine Malaria-Erkrankung. Besonders bei Kindern kann die Krankheit rasch zu Koma und Tod führen. „Vor allem in den ländlichen Regionen gehen die Menschen nicht mehr zum Arzt, sie schließen sich aus Angst vor Corona in ihren Häusern ein.“

Die Bürgermeisterin führt uns durch ihren Ort. Man spürt eine in diesen Tagen ungewöhnliche Heiterkeit. Die Menschen lächeln, Salsa-Musik klingt aus den Häusern, der Duft von gebratenem Hähnchen liegt in der Luft, Lebensmittelgeschäfte haben geöffnet, sogar ein Souvenir-Laden mit Flipflops und Bademode.  

Dafür, dass die Stimmung in Timbiquí so heiter ist, sorgen auch die Bandmitglieder von „Herencia de Timbiquí“, elf kolumbianische Musiker, die ihre in Lateinamerika sehr erfolgreiche Band nach dem Ort benannt haben. Die Bürgermeisterin ließ sie einfliegen, um die Menschen aufzuheitern. Als später das Flugzeug der Patrulla Aerea vollbeladen aus Guapí zurückkommt, sind auch die Jungs der Band am Flughafen bereit, um beim Ausladen der Lebensmittelsäcke zu helfen. Timbiquí steht zusammen in diesen Corona-Tagen.  

Musik gegen Corona-Quarantäne: Hören Sie hier „Herencia de Timbiquí“ an: https://www.youtube.com/watch?v=ON_aQB986oc 

Um zu demonstrieren, dass Timbiquí Corona-frei ist, führt uns die Bürgermeisterin durch das Hospital. In den Räumen stehen einfache Bettgestelle, fast alle noch unbelegt, der Bereich der Notaufnahme ist gefüllt, dicht an dicht sitzen hilfesuchende Menschen, einige tragen Verbände. Die Alcaldesa zeigt uns einen seperaten Bereich, in dem mögliche Corona-Kranke behandelt werden könnten. Gegen Corona könnte  Timbiquí kämpfen, gegen Malaria nicht.

Die Menschen am Pazifik brauchen dringend Hilfe. Sie benötigen Lebensmittel, um überleben zu können – und Hilfe gegen Malaria, einer heimtückischen, tödlichen Krankheit, die im Schatten der Corona-Krise zu wenig Beachtung und Unterstützung findet.

Malaria ist mit etwa 200 Millionen Erkrankten pro Jahr die häufigste Infektionskrankheit der Welt.

Die „Patrulla“ Aerea finanziert sich aus Spenden, die Piloten stellen ihre Flugzeuge und ihre Flugzeugzeit unentgeltlich zur Verfügung. Die Hilfsaktion an den Pazifik konnte dank der Unterstützung vieler möglich gemacht werden.

Die Menschen am Pazifik brauchen dringend Hilfe. Sie benötigen Lebensmittel, um überleben zu können – und Hilfe gegen Malaria, einer heimtückischen, tödlichen Krankheit, die im Schatten der Corona-Krise zu wenig Beachtung und Unterstützung findet.  

Malaria ist mit etwa 200 Millionen Erkrankten pro Jahr die häufigste Infektionskrankheit der Welt. 

Die „Patrulla“ Aerea finanziert sich aus Spenden, die Piloten stellen ihre Flugzeuge und ihre Flugzeugzeit unentgeltlich zur Verfügung. Die Hilfsaktion an den Pazifik konnte dank der Unterstützung vieler möglich gemacht werden.








Veröffentlicht am:
01:23:35 18.05.2020

Letzte Aktualisierung
15:32:38 18.05.2020


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